Die in der letzten Beratungsrunde vor der Sommerpause im Verkehrs – und Bauausschuss der Stadt Düren am 17.6. sowie in den Kreisgemien vorgestellten Fahrplananpassungen hatten wir schon kritisiert – aber es ist noch viel schlimmer gekommen als angekündigt. Die Linie 213 nach Derichsweiler ist nun ohne Information der Gremien komplett entfallen. (Mehr dazu unten).
Im Stadtrat am 14.10. wurde unser Antrag eingebracht, dass die Stadt die Wiedereinrichtung der Verbindungen fordern möge. In der kurzen Diskussion wurden von Seiten der Düren-Koalition viele falsche Behauptungen eingebracht, aber besonders hervorzuheben ist ein Zitat:
„Wir haben eben mit dem Antrag Mitfahrbänke schon eine Lösung für die Lücken im ÖPNV geliefert,“ so der CDU Fraktionsvorsitzende Weschke.
Wir Grüne haben nichts gegen Mitfahrbänke als Ergänzung in kleineren Orten, aber eine Buslinie, die bisher im Stundentakt den Ort Birgel gut angebunden hat, kann und sollten diese Bänke natürlich nicht ersetzen! Die verbliebene Linie 286 ist für viele Menschen einfach zu weit weg! Von der Endstation der 213 bis zur Haltestelle Burg der Linie 286 sind es 900 Meter. Empfohlen wird für den ÖPNV in Wohngebieten eine maximale Entfernung von 400 Metern.
Die FINDUS-Nachbarschaftshilfe Birgel hatte dazu dem Landrat bereits eine Unterschriftenliste mit über 665 Unterschriften übergeben, davon ca. 620 aus Birgel und ca. 40 aus Gürzenich.
Den Ort Derichsweiler erreicht man nun nur noch mit der 296, die neuerdings eine Ehrenrunde durch den Ort dreht. Man kann es auch verschlimmbessern nennen ☹. Zur Vorgeschichte (Link).
Zum Thema hatten wir damals auch ein Reel gemacht. Hier ist das neue Reel auf Insta.
Mit Entfall der Linie 213 hat man dem Ort Derichsweiler rund 40% des ÖPNV genommen – und das wieder ohne vorherige Beratung in städtischen Gremien!
Eine solche Beratung in den Gremien hatten wir Grüne in einem Antrag gefordert,- aber die Koalititionäre in der Stadt meinten dazu, der Antrag im Bezirksausschuss sei ja besser und das Thema würde gelöst….
Lustigerweise haben alle Menschen, die für Derichsweiler die Petition unterschieben hatten eine Nachricht vom Ersteller Herrn Beckmann bekommen, die Petition sei „erfolgreich“ und man bedankte sich für die Teilnahme.
Na ja, wenn jetzt die Linie 296 wieder durch den Ort fährt, dafür aber die 213 nicht mehr – das ist nicht der Erfolg, den der Ort braucht!
Es sind zwar nun aus dem Ortskern wieder die von uns geforderten frühen und späten Verbindungen gegeben, – aber untern Strich sind es viel weniger Verbindungen als früher.
Übrigens: Die Linie 213 nach Birgel ist nun nur noch eine Schrumpflinie im Schulverkehr. Viele Busse entfallen ersatzlos – es bleiben nur ein paar Busse an Schultagen. Verwiesen wird stattdessen auf die 286. Also auch für Birgel deutlich weniger ÖPNV! Mehr Infos über die Verlinkungen im Text!
Der Kreis macht hier, was er will – das kritisieren wir sehr!
Neuer Fahrplan Linie 213 beim AVV
Neuer Fahrplan Linie 296 beim AVV
Inzwischen haben wir einige Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten. Mehrere Menschen aus Birgel sagten uns, der 286 sei zu weit weg vom Wohngebiet und deshalb keine Alternative.
Ein Leser schreibt: ich habe euren Post zur gestrichenen Buslinie 213 gesehen. Es gibt noch einen viel krasseren Missstand. Die Rufbuslinie 294a ist komplett eingestellt worden. Vor zwei Wochen konnte man abends noch stündlich von Merken nach Inden fahren, letzte Abfahrt um 22:55. Fahrtzeit 10 Minuten. Diese Verbindung wurde nun ohne große Vorankündigung im Rahmen einer „Eilentscheidung“ gestrichen, ersatzlos!
In der Fahrplanauskunft wird angegeben, man solle doch erst mit der 216 zum Stadtcenter fahren und dort in die neue Linie 297 umsteigen. Das Problem: Die beiden Linien sind nicht aufeinander getaktet. Die 216 kommt zur Minute 23 am Stadtcenter an und die 297 fährt schon zur Minute 22 weg. Aus einer Fahrtzeit von 10 Minuten werden so fast 2 Stunden. Da ist man schneller zu Fuß!
Eine Darstellung der Änderungen aus Sicht der Gemeidne Inden steht hier:
https://www.gemeinde-inden.de/aktuelles/news/rurtalbus-aendert-fahrplaene-ab-02.09.2026.php
Die Dürener Zeitung berichtete zu dem Thema am 5.10.. Hier einige Auszüge:
Birgeler Bus-Frust – vom Leben abgeschnitten
Der Dürener Stadtteil Birgel gilt als der mit den ältesten Einwohnern und keinerlei Versorgungseinrichtungen. Jetzt hat sich auch noch die Busanbindung verschlechtert.
Busverbindungen sind für manche Menschen und manche Orte Lebensadern. Entsprechend groß ist der Schmerz, wenn es Einschränkungen im Personennahverkehr gibt. Als der Kreis als Sparmaßnahme und zur Eindämmung seines hohen Defizites einen eher kleinen Teil seines Angebotes (rund 3,5 Prozent der bisherigen Fahrleistung) zum 2. September einschränkte, traf das manche hart. Die Menschen im Dürener Stadtteil Birgel sehen sich als Betroffene nun buchstäblich vom Leben abgeschnitten und schieben Frust.
Das scheint bei näherer Betrachtung keine Übertreibung zu sein. Ingrid Geistler und Gleichgesinnte unter anderem von einer Nachbarschaftsinitiative erklärten das am Donnerstag kurz vor der Kreistagssitzung Landrat Ralf Nolten (CDU), dem sie auch rund 650 Unterschriften überreichten: Der eifelnahe Ort weise den höchsten Altersdurchschnitt aller Dürener Stadtteile auf – mit den meisten Menschen in der Altersklasse Ü50. Und mit 662 von rund 1700 Einwohnern sind knapp 40 Prozent über 60 Jahre alt.
Zudem müssen die Frauen, Männer und Kinder mobil sein, denn an eigener Infrastruktur gibt es mit Ausnahme von Kita und Grundschule nichts mehr: Keine Arztpraxis, kein Geschäft, keine Apotheke, keine Post oder Bank. Insbesondere die ältere Bevölkerung habe sich deswegen nach Gürzenich orientiert, wo es fast alle Versorgungsangebote gibt. Ausgerechnet die Anbindung dorthin wurde nun eingeschränkt. Vormittags sei es ab 7.30 Uhr nicht mehr möglich, mit dem Bus in den Nachbar-Stadtteil zu fahren, nachmittags sei dies nur ab 14.05 Uhr für rund zwei Stunden zur Hin- und Rückfahrt sehr eingeschränkt machbar. Samstags und sonntags gebe es keine entsprechende Verbindung. Außerdem seien die Änderungen erst kurz vor knapp in Birgel per Aushang kommuniziert worden.
Von den 8,6 Millionen Bus-Kilometern pro Jahr im Kreis wurden 300.000 km gestrichen.