Am 5.11. gab es eine öffentliche Podiumsdiskussion mit NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer und der Dürener Politik. Wie kann Radfahren in Düren sicherer, attraktiver, alltagstauglicher und familienfreundlicher werden?
Die ADFC-Ortsgruppe Düren, der VCD Aachen/Düren, die Bürgerinitiative ProRad Düren und die Familienbildungsstätte der Evangelischen Gemeinde hatten eingeladen, um darüber zu sprechen, wie die Fahrradinfrastruktur in Düren weiterentwickelt und der Radverkehr nachhaltig gefördert werden kann. Als Gast war auch Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen dabei. Nach einem kurzen fachlichen Impuls des Verkehrsexperten Sjors van Duren wurde diskutiert.
Wir zitieren ein paar Zeilen aus dem Pressebericht von Stephan Jonen in der Dürener Zeitung.
Wer den großen Wurf erwartet hatte, dürfte enttäuscht nach Hause gefahren sein. „Radfahren in Düren – warum nicht?“ war die Podiumsdiskussion im Saal der Evangelischen Gemeinde zu Düren überschrieben. Auf dem Podium saßen Stefan Weschke (CDU), Markus Roeder (SPD) und Georg Schmitz (Grüne), die im Wesentlichen noch einmal eine Runde mit bereits an anderer Stelle ausgetauschten Argumenten drehten.
Stefan Weschke wiederholte die Position seiner Partei, dass es auch „abseits der Hauptstraßen“ viele Möglichkeiten gebe, von A nach B zu kommen, und warb dafür, den Radverkehr „möglichst konfliktfrei“ über Nebenstrecken zu führen. Auf der Nord-Süd-Achse könne der Rurufer-Radweg dabei eine viel wichtigere Rolle spielen, bei Ost-West-Verbindungen müsste eine attraktive Ausschilderung und Routenführung Strecken vorgeben; auch den Bau einer Fahrradbrücke über die Rur brachte er (erneut) ins Spiel. Weschke warnte davor, die Hauptverkehrsstraßen als „Lebensadern der Stadt“ künstlich zu verengen.
Markus Roeder sieht die Stadt grundsätzlich schon als fahrradfreundlich, auch wenn es – Stichwort Ost-West-Achsen – sicherlich noch Handlungsbedarf gebe. „Das ist ein schwieriges Thema mit vielen Facetten, wir haben alle Menschen im Blick“, sagte er. Das neue Fahrradparkhaus am Bahnhof stärke die Attraktivität des Fahrrads auch für Berufspendler. Angesichts vieler sozialer und gesellschaftlicher Herausforderungen in der Stadt – kombiniert mit einer angespannten Finanzlage – gehöre es aber auch zur Ehrlichkeit der Politik, Prioritäten zu setzen. Radfahren in Düren stehe dabei aktuell nicht an erster Stelle, antwortete er auf eine Frage aus dem Publikum.
Sjors van Duren (Verkehrsplaner): „Wir fragen in den Niederlanden nicht: Wie viel Platz brauchen die Autos?, sondern: Wie wenig Platz können wir ihnen geben?“, führte van Duren aus. Dass darunter nicht die Akzeptanz der Autofahrer leiden muss, liege auch an einer Planung, die beispielsweise mit digitalen, bedarfsgerechten Ampelschaltungen für alle Verkehrsteilnehmer auf möglichstvielen Strecken eine „grüne Welle“ und eine Fahrt ohne ständige Stopps ermögliche.
Georg Schmitz vertrat die Grünen und kritisierte v.a., dass die neue Koalition alle Pflänzchen der Radverkehrsförderung zertrete, die in den letzten Jahren gesetzt wurden. V.a. bei der Umsetzung des Radvorrangroutenkonzeptes geht jetzt viel Zeit verloren! Bei den kritischen großen Straßen wie der Aachener Straße und der August-Klotz-Straße ist die Koalition nicht bereit, vernünftige Lösungen umzusetzen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der nächste schlimme Unfall passiert. Wir müssen mutiger werden, wir haben kein Erkenntnis,- sondern ein Umsetzungsproblem.
Link Dürener Zeitung: Radfahren in Düren: Konzepte und Kritik im Fokus | Aachener Zeitung
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Wir wollen mit diesem Beitrag aber nicht nur Frust hinterlassen – es gibt zeitgleich auch gute Meldungen, die Hoffnung machen und motivieren, weiter für eine gerechte und sichere Gestaltung des öffentlichen Raumes einzutreten. 3 davon stellen wir vor:
#1 Paris investiert weiter ins Rad: In der französischen Hauptstadt hat die Fahrradnutzung seit 2020 um 47 Prozent zugenommen. Das macht einen neuen „Plan Veló“ notwendig: Für 200 Millionen Euro wird das bestehende Radwegenetz ausgebaut. Gefährliche Kreuzungen werden umgestaltet. 140 Kilometer Radweg sollen neu angelegt werden. An vielen Stellen erhalten Radfahrende Vorrang vor dem motorisierten Verkehr. Stadt der Liebe – Stadt der Verkehrswende.
#2 Oxford Street in London ist jetzt Fußgängerzone: Auf einem Abschnitt der beliebten Einkaufsstraße gilt ab sofort ein Fahrverbot für Autos, Busse, Fahrräder und E-Scooter. Bürgermeister Sadiq Khan rief mit der verkehrsberuhigten Zone eine neue Ära für die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs aus. Dabei ist die Freigabe für Fußgänger*innen nur der Anfang eines größeren Umbaus, der die Straße wieder attraktiver machen soll. In der neuen Zone sollen bis zum Frühjahr 2027 über 50 Bäume gepflanzt sowie Stühle und Bänke aufgestellt werden. Dazu werden zwei größere öffentliche Plätze geschaffen, die für Veranstaltungen und Gastronomie genutzt werden sollen. Way to go, London!
#3 Weniger schwere Unfälle nach Tempolimit: In Stuttgart, Heilbronn und Reutlingen ist die Zahl der Unfälle und Verletzten durch die Einführung von Tempo 40 gesunken. Besonders auffällig ist dabei der Rückgang bei Unfällen mit Schwerverletzten um rund zwei Drittel. Dabei war Verkehrssicherheit gar nicht das Ziel der Maßnahme: Die Städte mussten das Tempolimit einführen, um Grenzwerte für Luftschadstoffe einzuhalten. Außerdem sollte die Lärmbelastung gesenkt werden. Wer hätte gedacht, dass eine einfache Maßnahme wie das Tempolimit eine lebenswertere Stadt schafft und dabei als „Nebeneffekt“ (tagesschau) auch noch das Todesrisiko für Fußgänger*innen und Radfahrende senkt? Genau: alle, die sich nicht stur an Verbrenner und Rekordgeschwindigkeiten klammern.

Ein Thema an dem Abend war auch diese: Einer Pressemitteilung der Polizei war zu entnehmen, dass am Montagabend auf der August-Klotz-Straße in Düren zu einem Zusammenstoß zwischen einem Pkw und einem Pedelec gekommen ist, bei dem der Pedelec-Fahrer Verletzungen davon trug. Nach jetzigem Stand der Ermittlungen geriet der Kraftfahrer nach rechts auf den für Radfahrende vorgesehenen Streifen und touchierte dabei den in die gleiche Richtung fahrenden Pedelec-Fahrer. Das ist genau das, wovor wir immer schon warnen! Für uns ist das Maß voll. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis da wieder ein Radfahrer verunfallt und im schlimmsten Fall sein Leben lässt.
Immer wieder haben wir auf die großen Risiken von überbreiten Fahrspuren und engen Fahrspuren neben irgendwelchen Radstreifen hingewiesen, die zu einem zu engen Überholen verleiten. Zwei Autos wollen da nebeneinander fahren (obwohl die Fahrbahn dafür nicht ausgelegt ist) und wenn dann auch ein Radfahrer dort unterwegs ist, wird oft nicht gewartet, sondern trotzdem auch dieser zu eng überholt.
Beim Überholen von Radfahrenden müssen Autofahrende innerorts mindestens 1,5 Meter und außerorts mindestens zwei Meter Seitenabstand halten.
Zu enges Überholen kann Radfahrende durch den Luftzug gefährden oder sie zu riskanten Ausweichbewegungen zwingen – oder wie in diesem Fall sogar zu einem Zusammenstoß führen.
Es beeinträchtigt zudem das Sicherheitsgefühl von Menschen, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. Deshalb müssen Überholabstände landesweit regelmäßig und systematisch kontrolliert und Verstöße konsequent geahndet werden! Aber außerdem und vorrangig ist eine sichere Infrastruktur herzustellen. Dafür sind die Städte verantwortlich und wir haben da kein Wissendefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit!

Fachliche Zusatzinfos: Es handelt sich an der Unfallstelle nicht um einen normgerechten Schutzstreifen, sondern um einen alten Mehrzweckstreifen – was aber für die Risikobewertung irrelevant ist. Unabhängig davon, ob es eine Radverkehrsanlage gibt oder nicht – der vorgeschriebene Überholabstand gilt immer und überall!
Foto: Frühere Protestaktion an der Straße, nur wenige Meter von der Unfallstelle entfernt.
