Nach dem Feuer ist vor dem Feuer

Der Waldbrand im Hürtgenwald ist unter Kontrolle. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Und vor allem ist es der Moment, um all jenen zu danken, die in den vergangenen Tagen unter enormen Bedingungen gegen die Flammen gekämpft haben. Feuerwehr, Rettungskräfte, Polizei, Bundeswehr, THW, Landwirte und viele weitere Helferinnen und Helfer haben Großartiges geleistet.

Aber mit dem Löschen des Feuers ist die Gefahr nicht vorbei.

Denn nach dem Feuer ist vor dem Feuer.

Wir müssen endlich aufhören, Waldbrände als einzelne Katastrophen zu betrachten, die uns zufällig treffen. Die Klimakrise verändert die Bedingungen, unter denen unsere Wälder leben. Hitze, Trockenheit und lange niederschlagsarme Phasen machen Böden und Vegetation immer anfälliger. Im Kreis Düren ist die Entwicklung bereits messbar: In Hürtgenwald hat sich die Zahl der Tage mit hoher oder sehr hoher Waldbrandgefahr von durchschnittlich vier Tagen pro Jahr in der Periode 1961–1990 auf zwölf Tage in der Periode 1991–2020 verdreifacht.

Das bedeutet nicht, dass der Klimawandel dieses konkrete Feuer „gelegt“ hat. Die unmittelbare Brandursache muss unabhängig davon geklärt werden. Aber der Klimawandelschafft zunehmend die Bedingungen, unter denen aus einem Feuer eine Katastrophe werden kann.

Und genau deshalb reicht es nicht, nach jedem Waldbrand erleichtert aufzuschauen, wenn die letzten Glutnester gelöscht sind.

Wir brauchen mehr Vorsorge: klimastabile Mischwälder, funktionierende Löschwasser-Infrastruktur, moderne Frühwarnsysteme und eine Feuerwehr, die für Vegetationsbrände ausreichend ausgestattet und ausgebildet ist. Der Kreis Düren und das Land haben hier bereits wichtige Schritte eingeleitet – jetzt muss aus den Erfahrungen konsequent gehandelt werden.

Gerade beim Waldumbau gilt: Wir müssen den Wald nicht nur retten, wenn er brennt. Wir müssen ihn so verändern, dass er mit dem Klima der Zukunft besser zurechtkommt.

Der Hürtgenwald ist für viele Menschen Heimat, Erinnerungsort und wertvoller Naturraum. Ihn zu schützen, bedeutet deshalb mehr als Brandbekämpfung. Es bedeutet, den Klimawandel ernst zu nehmen und Vorsorge zu treffen, bevor die nächste Rauchwolke über der Eifel steht.

Nach dem Feuer ist vor dem Feuer. Die entscheidende Frage ist, was wir jetzt daraus lernen.