Ein Gastbeitrag (Leserbrief) von Schülerin Julia Arnold, die vor einem Jahr mal ein Praktikum bei uns im Fraktionsbüro gemacht hatte und die sich über eine Veröffentlichung ihrer Gedanken freut.
Die Bilder wurden von C.Rank zur Verfügung gestellt und im Bereich Hürtgenwald aufgenommen.
In den vergangenen Tagen waren die Medien voll von Berichten über Waldbrände und dieses Mal ließen sich die verheerenden Folgen nicht so leicht wegschieben. Es waren nicht mehr nur die altbekannten Waldbrände in den USA oder in südeuropäischen Ländern wie Griechenland oder Spanien. Nein, plötzlich waren deutsche Dörfer von den Flammen bedroht. Doch während in den betroffenen Gebieten ein starker Zusammenhalt eintrat und die Landwirte und Feuerwehrmänner und – frauen als Helden gefeiert wurden, verlängerte unser Bundeskanzler seinen Urlaub und vergangene Zitate von Ministern bekommen plötzlich einen beißenden Beigeschmack.

« Ich kann’s nicht regnen lassen, sonst tät ich’s machen » sagte kürzlich unser Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer in Bezug auf die anhaltende Hitze- und Dürreperiode, die vor allem auch den Landwirten zu schaffen macht. Ein ziemlich bitterer Satz, wenn man bedenkt, dass Rainer hiermit quasi ausdrückt, dass er den Landwirten keine Lösung anbieten kann, zukünftige Ernteausfälle, die Existenzen bedrohen, zu verhindern oder zumindest zu verringern. Und das sagt er ausgerechnet zu den Personen, die unermüdlich Wasser zu den Waldbrandgebieten transportiert haben und somit massgeblich und trotz ihrer eigenen Schwierigkeiten dazu beigetragen haben, dass der Brand im Hürtgenwald verhältnismäßig glimpflich abgelaufen ist und doch recht schnell unter Kontrolle gebracht werden konnte.
Der Waldbrand im Hürtgenwald war mit seinen 300 betroffenen Hektar der größte in NRW seit Beginn der Aufzeichnungen[1]. Doch nicht nur in Nordrhein-Westfalen brannte es in diesen Tagen, in insgesamt 6 Bundesländern kämpfen Feuerwehren gegen die Flammen. Und schon die Waldbrandstatistik des vergangenen Jahres des BMLEH zeigt : Waldbrände in Deutschland nehmen zu. Im Jahr 2025 verbrannten 2626ha Wald, mehr als 3mal so viel wie das langjährige Mittel mit 844ha (1991 bis 2024). Auch die Anzahl der Brände im vergangenen Jahr hat sich mit 1175 mehr als verdoppelt[2].
Diese Daten zeigen: Waldbrände sind längst nicht mehr isolierte Probleme des europäischen Südens, sie sind bereits im Zentrum Europas angekommen. Das beweist auch das ökologische Drama, welches sich gerade nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze, im Hohen Venn, abspielt. Dort sind mittlerweile mehr als 3000 Hektar Wald verbrannt und die Löscharbeiten werden wohl noch Monate andauern. Der Rauch war teilweise noch im Ruhrgebiet wahrnehmbar und sorgte auch dafür, dass in Monschau Straßenzüge evakuiert werden mussten[3].
Klar ist, diese Brände entstehen nicht nur durch irgendwelche Idioten, sie sind klare und eindeutige Folgen des Klimawandels. Extrem niedrige Pegelstände, lange Dürreperioden und Rekordtemperaturen – das alles sind längst keine einzelnen Wetterereignisse mehr, sondern Ausdruck des Klimawandels. Und dieser fordert schon längst seine Opfer. In Deutschland gab es diesen Sommer bereits mehr als 13000 Hitzetote und wem das nicht ausreicht, auch ökonomisch sind die Folgen des Klimawandels bereits präsent[4].
Die niedrigen Pegelstände unserer Flüsse erschweren einen Warentransport erheblich und führen so zu Verzögerungen in Lieferketten und wirtschaftlichen Ausfällen und auch die hohen Benzinpreise sind unter anderem auf das Niedrigwasser zurückzuführen. Zeitgleich befürchten die Landwirte Ernteausfälle, vor allem in Süddeutschland ist bereits von Totalausfällen die Rede. Durch die hohen Temperaturen und den viel zu geringen Niederschlag der letzten Monate brechen die Futterbestände ein, was zu einer noch stärkeren wirtschaftlichen Belastung der Landwirte führt, die maßgeblich für die Versorgung unserer Gesellschaft verantwortlich sind[5]. Ernteausfälle spüren wir also auch im Supermarkt.
Im Gegensatz zu den Behauptungen einiger Politiker ist der Klimawandel also längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Der diesjährige Sommer ist kein einmaliges Phänomen, er ist ein Vorgeschmack darauf, was uns in den nächsten Jahren in wahrscheinlich noch extremerer Form erwarten wird. Deswegen ist es umso wichtiger, dass die Politik jetzt handelt, denn Prävention ist deutlich besser als Nachsicht. Die Reaktionen auf durch den Klimawandel bedingte Extremwetterereignisse kosten häufig ein Vielfaches von dem, was Präventionsmaßnahmen kosten würden. Studien zeigen außerdem, dass ein Großteil der Deutschen Maßnahmen zum Klimaschutz unterstützen würden[6].
Daher stellt sich die Frage, warum die Politik nicht stärker handelt.

Ich bin davon überzeugt, dass die Handlungsunfreudigkeit der Bundesregierung auch zu den starken Werten der AfD beigetragen hat. Denn wie soll man Vertrauen in ein System zurückgewinnen, das nur große Versprechungen macht, aber die Probleme der Menschen im Land nicht wirklich wahrnimmt? Das Vertrauen kann nur zurückgewonnen werden, wenn die Menschen das Gefühl bekommen, dass sich im Land endlich etwas bewegt. Dass es wieder nach vorne geht. Und es mag sein, dass eine starker Wirtschaft eine wichtige Grundlage ist, um das Land wieder nach vorne zu bringen, ABER der Klimawandel schwächt momentan unsere Wirtschaft. Wenn man jetzt diese Bemühungen in einen Umbau der Wirtschaft zu einem klimafreundlichen System stecken würde, würde die deutsche Wirtschaft davon profitieren und könnte zeitgleich auch neue Innovationen im Bereich umweltfreundlicher Technologien voranbringen um so wieder ein europäischer Vorreiter zu werden.
Prävention schafft zwar keine Heldengeschichten, wie sie noch vor ein paar Tagen in Gey geschrieben wurden, dafür verhindert sie, dass Unmengen an Geld in Wiederaufbau investiert werden müssen und ökonomische Totalausfälle immer häufiger werden. Langfristig ist Umweltschutz daher viel günstiger als das stumpfe Reagieren auf Krisen. Julia Arnold aus Düren

[1] WDR: Größter Waldbrand in NRW seit Erfassung, 14.08.2026
[2] BMLEH: Waldbrandstatistik 2025: Mehr als doppelt so viele Brände wie im Vorjahr, 30.06.2026
[3]Lorenz, WDR, Tagesschau: Feuer noch nicht unter Kontrolle – aber Hoffnung auf Regen, 19.08.2026
[4] RKI: Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität (Kalenderwoche 32/2026), 20.08.2026
[5] Spiegel: Bauernverband warnt vor « totalem Ernteausfall » in einigen Regionen, 14.08.2026
[6] Bertelsmann Stiftung: Mehrheit will weiterhin konsequenten Klimaschutz […], 13.08.2026
Wir Grüne haben uns während der Brände lokal bewusst mit Veröffentlichungen zurückgehalten. Aber heute möchten wir auch an dieser Stelle ganz herzlich Danke sagen an alle, die bei den diversen Bränden in der Region in den letzten Wochen mitgeholfen haben: Ganz herzlichen Dank!
