Rettet die Bäume

Wir haben einen Antrag „Erhalt des Langemarckparks“ gestellt. Es haben sich kurz vor der Sommerpause Erkenntnisse ergeben, die zwingend zeitnah beraten werden sollten. Es wurden bereits Aufträge für Statik – Berechnungen für ein Regenrückhaltebecken im Langemarckpark vergeben und somit Zahlungsverpflichtungen ausgelöst, obwohl die genaue Gestaltung der westlichsten Fläche des Innovationsquartiers noch nicht beschlossen wurde. Um das wichtige Stadtgrün zu erhalten und weitere Planungen mit alten Konzepten ohne konkrete Beschlüsse zu vermeiden, machen wir diesen Beschlussvorschlag:
Die Verwaltung wird beauftragt, die Planung für den Bereich des westlichen Teiles des Innovationsquartier mit dem Langemarkpark klimafreundlich zu überarbeiten und den alten Baumbestand im Park zu erhalten.  

Begründung:

In früheren Unterlagen zum Masterplan wurde zwar bereits eine Verlegung der Busspur an den Bahndamm und die Gestaltung eines großen Platzes dargestellt und es hieß, unter dem Platz wäre dann ein Wasserauffangbecken. Für die soziale Kontrolle und Attraktivität des Platzes wurde dabei auch für ein hohes neues Wohngebäude geworben.  Es hieß aber auch immer, dass es Ideen sind, die im weiteren Verfahren konkretisiert und jeweils einzeln beschlossen werden. 

Durch diverse Rückfragen ist nun aber klar:
Das bisherige Konzept würde eine Fällung von allen Bäumen bedeuten, die eine große Bedeutung für saubere Luft und Lebensqualität in der City haben.
Klimawandelfolgen wie Hitze werden durch Bäume bestmöglich abgemildert. Die zahlreichen Bäume würden im Bahnhofsumfeld sehr fehlen!  
Der Gestaltungsbeirat hatte sich in einer früheren Sitzung kritisch dazu geäußert, den alten Baumbestand zu opfern, die Stellungnahmen wurden aber im weiteren Verfahren ganz offensichtlich nicht berücksichtigt, wie wir erst in den letzten Wochen erfahren haben. Es gab auch Planänderungen, die nicht kommuniziert wurden.  Das Wasserauffangbecken soll nun vorrangig unter der Fußwegverbindung zur Bahnunterführung und westlich davon entstehen und dafür müssen dann auch alle Bäume zwischen Stadtcenter und Bahndamm weg. Gemäß Herr Savelsberg (Stadtentwässerung) sind schon Planungsaufträge vergeben für die Statik des Wasserbeckens. Für diese Details gab es jedoch bisher keinerlei Diskussionen in Rat oder Fachausschüssen. 

Vom Schwammstadtkonzept des Innovationsquartiers, für das immer geworben wurde, ist aus unserer Sicht derzeit nur noch wenig wahrzunehmen. Große Wassermengen würden nach heutigem Planungsstand an die Engstelle unter dem Bahndamm geführt und dort sollen Starkregenereignisse mit einem riesigen unterirdischen Bauwerk gepuffert werden, bis nach dem Regenereignis wieder Abflüsse unter dem Bahndamm hindurch Richtung Mühlenteich möglich sind. 

Den Entfall dieses wichtigen Stadtgrüns wäre schrecklich für die ganze Stadt und würde die Lebens- und Aufenthaltsqualität für die neuen Bewohner*innen im Quartier und alle Menschen in der City stark verschlechtern.

Es wird Jahr für Jahr mehr heiße Tage geben und in der City ist jedes bisschen Grün absolut wichtig.  
Im Juni haben wir bei rund 40 Grad alle erlebt, welche Auswirkungen der Klimawandel auf unsere Städte hat! Und das wird in den nächsten Jahren der Regelfall (und noch schlimmer) werden – darin ist sich die Wissenschaft einig! Deshalb fordern wir eine zeitnahe Neuplanung für den Platz und die Entwässerung des Innovationsquartiers, damit danach die Projekte wie das IQC zügig weitergehen können. 

Die Wasserhaltung könnte überwiegend im bisher noch nicht verkauften und unbebauten Bereich östlich der Josef-Schregel-Str. passieren – da würde es ohne Fällungen gehen und noch sind da fast alle Flächen verfügbar. Die Busspur sollte leicht angepasst im bisherigen Bereich verbleiben – dann kann man daneben (wo heute der kleine Parkplatz ist) immer noch eine gute Wegeverbindung und ggf. einen Platzcharakter gestalten und in den ebenfalls aufzuwertenden Häusern auch ein Cafe unterbringen.
Die Sichtachse bestünde dann weiter, nur die Laufwege würden an der Josef-Schregel-Str. um wenige Meter gegenüber der bisherigen Planung nach Süden verschoben. Einige Bäume an der Busspur und an der südlichen Platzkante würden zwar fallen, aber im hinteren Bereich am Bahndamm bleibt alles erhalten und kann aufgewertet werden.
In den Papierplänen ist deutlich zu erkennen, dass alle, wirklich alle rund 70 Bäume im Zuge der Bauarbeiten entfernt würden und dass nur wenige Bäume später eventuell mal neu kommen könnten, da auf dem Becken zu wenig Erdauflage ist und südlich des Gebäudes ja alles ein großer Platz würde.
Auf den Neubau eines Hauses im Park muss aus unserer Sicht in der Neuplanung verzichtet werden.
Die bisherige Planung zeigt das nachfolgende Bild.


Wenn die Busspur vorne bleibt und dort das Auffangbecken bliebe, könnten rund 70 % der Bäume blieben und neue gepflanzt werden.

Im Stadtrat am 15.7. soll unser Antrag nicht behandelt werden. Aber es stehen die Tagesordnungspunkte „Baustraße Innovationsquartier“ und „Konzeptvergaben“ auf der Tagesordnung. Da wir eine Neuplanung des westlichen Projektbereiches fordern, können wir diesen beiden Vorlagen natürlich derzeit nicht zustimmen!
Beides ist sicher grundsätzlich richtig, aber der Zeitpunkt ist zu früh!