Grüne fordern erneut einen Hitzeaktionsplan

Zum bereits vorhandenen Tagesordnungspunkt 43 Hitzebetroffenheit und Klimafolgeanpassungsmaßnahmen; Antrag der Fraktionen CDU und SPD“ im nächsten Stadtrat stellen wir einen Änderungsantrag und bitten um gemeinsame Beratung der beiden Dokumente. Wir begrüßen sehr, dass die Koalition die Verwaltung beauftragen will, über den Sachstand zu Klimafolgenanpassung zu berichten. Eine Berichterstattung zum gemeinsamen Konzept zur Klimafolgenanpassung von Kreis und Stadt reicht unseres Erachtens aber nicht aus. Die Stadt muss wie schon viele andere Städte einen Hitzeaktionsplan erstellen, in dem v.a. kurzfristige organisatorische Maßnahmen dargestellt werden. Es geht um viel mehr als um Begrünung der Stadt.    

Beschlussvorschlag: Die Verwaltung wird zusätzlich zu den Inhalten des Koalitionsantrages beauftragt, einen Hitzeaktionsplan zu erarbeiten, in dem konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung/Vermeidung von Hitzebelastung in der Stadt dargestellt werden.  

Hintergrund
Die Temperatur in Deutschland kratzte die letzten Sommer mehrfach an der 40-Grad-Marke, und das über Tage – eine enorme Belastung für Mensch und Natur. Im Juni 2026 wurden erneut Rekordwerte gemessen. 

Zum Hitzeaktionstag im Juni 2025 veröffentlichte das Umweltbundesamt (UBA) eine vom Bundesumweltministerium (BMUKN) in Auftrag gegebene Studie zur hitzebedingten Sterblichkeit in Deutschland. Über vier Jahre lang haben Forschende des UBA und des Robert-Koch-Instituts (RKI) daran gearbeitet, die Berechnung der durch Hitze verursachten Todesfälle in Deutschland zu präzisieren.

Es zeigte sich, dass es in den Sommern 2023 und 2024 jeweils etwa 3.000 hitzebedingte Todesfälle in Deutschland gab. Betroffen waren vor allem Menschen über 75 Jahre mit Vorerkrankungen wie Demenz, Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen. Am schwersten trifft es die ohnehin gesundheitlich Schwächeren in unserer Gesellschaft: Säuglinge, Kinder, Schwangere, Ältere, chronisch Kranke, Wohnungslose, weniger mobile Menschen und Menschen mit Behinderungen.

UBA⁠-Präsident Dirk Messner sagt: „Der ⁠Klimawandel⁠ in Deutschland ist schon heute in vielen Bereichen des Lebens eine Herausforderung – auch für die Gesundheit. Hier gilt es, den Umgang mit Hitze deutlich zu verbessern und vulnerable Bevölkerungsgruppen adäquat zu schützen.“ In Städten ist die Hitzebelastung größer als auf dem Land.
Die Pressemittelungen der Stadt während der Hitzewelle im Juni sind zu begrüßen, reichen aber bei weitem nicht aus und sind in Teilen kritisch zu sehen. So hieß es u.a., man möge die Trinkwasserbrunnen nutzen, – beide städtischen Brunnen sind aber nicht in Betrieb gewesen und es gab nur einen einzigen Brunnen der Stadtwerke.

Hitzeaktionsplan
Ein Hitzeaktionsplan (auch Hitzeschutzplan/Hitzeschutzkonzept/Hitzeplan) ist ein Instrument der Kommune, um angemessen auf die kommenden Hitzephasen zu reagieren. 
Ein Hitzeaktionsplan ist dabei eine Sammlung von kurzfristigen und langfristigen Maßnahmen.
Die Ausgestaltung des Plans und die Anzahl der Maßnahmen soll dabei in das Ermessen der Verwaltung gestellt werden. Wünschenswert wäre es, wenn in diesem Sommer bereits einige Maßnahmen umgesetzt werden.
Hitzeaktionspläne sind eine wirksame Methode, um die Gesundheit der Bevölkerung bei Hitze zu schützen.
Wie man bei der Erstellung eines Hitzeaktionsplanes vorgehen kann und welche Inhalte es zu berücksichtigen gilt, hat die Seite https://hitzeservice.de/hitzeaktionsplaene zusammengestellt.

Ein kommunaler Hitzeaktionsplan ist ein Dokument, das Maßnahmen zusammenfasst, um auf hitzebedingte Gesundheitsrisiken zu reagieren und diese zu verringern. Der Prozess zur Erstellung eines Hitzeaktionsplans bringt dabei ein breites Spektrum kommunaler Akteurinnen aus den verschiedensten Institutionen, Sektoren und der Zivilgesellschaft zusammen, um die Koordination und Zusammenarbeit vor, während und nach einer Hitzewelle zu verbessern. Den Kern eines Hitzeaktionsplans bildet ein Maßnahmenkatalog mit kurz-, mittel- und langfristigen Hitzeschutzmaßnahmen, in dem die Zuständigkeiten, Aufgaben und Kommunikation zwischen den kommunalen Akteurinnen festgelegt werden.
Welche Maßnahmen im Hitzeaktionsplan sinnvoll sind, variiert von Kommune zu Kommune und hängt von den jeweiligen ortsspezifischen Gegebenheiten ab.

Siehe auch: https://www.stadt-koeln.de/artikel/67953/index.html   und https://www.lzg.nrw.de/ges_foerd/klima_gesundheit/aktionsplanung/plaene/index.html

Handreichung – Klimafolgenanpassung vom Städtetag:  https://www.staedtetag.de/files/dst/docs/Publikationen/Weitere-Publikationen/2019/klimafolgenanpassung-staedte-handreichung-2019.pdf

Initiative Klima-Mensch-Gesundheit 
https://www.klima-mensch-gesundheit.de/hitze-und-hitzeschutz/empfehlungen-fuerkommunen/

Beispiele:  
Andere Kommunen haben unter anderem folgende Punkte in einem Hitzeaktionsplan festgelegt. 
– Errichtung von Trinkwasserspendern/Trinkbrunnen in der Innenstadt. (Wir haben nur 3 solcher Brunnen, von denen derzeit nur einer funktioniert – wir brauchen mehr davon).
– Beschattung von Wartezonen vor öffentlichen Einrichtungen und auf Hitzehotspots, wie z.B. aktuell der Fläche Kaiserplatz. Fassadenbegrünung und Schaffung von mobilem Grün.
– Einrichtung von „Hitzewarnsystemen“ (z.B. einem Newsletter mit der Ankündigung von Hitzehochs) für Akteurinnen und Akteure einer Kommune, die zum Hitzeschutz beitragen können (u. a. in Behörden, Kitas, Schulen, Betreuungseinrichtungen oder weiteren kommunalen Einrichtungen).
– Kühlung von öffentlichen Räumen, die Menschen im Alltag frequentieren und Schaffung der Möglichkeit, an Hitzetagen tagsüber kühle Räume für den Aufenthalt nutzen zu können (auch: „Kühlraum“ für Notfälle)
– Errichtung zusätzlicher Sitzgelegenheiten an schattigen Orten in den Parks
– Beschattung von Freiflächen der Kitas und Spielplätze.
– Auch Bürgerinnen und Bürger sollten wissen, wo Sie sich informieren können: 
– Einrichtung einer Beratungsstelle für Betroffene, die Hilfe suchen.
(Kann man in bestehende Angebote integrieren.) 
– Abholservice insbesondere für ältere Menschen, um ins Grüne zu kommen – z.B. durch Unterstützung von ehrenamtlichen Helfer*innen. 
– Coole Betriebe – Aktion mit Innenstadt-Gastro- und Geschäften: Mit Innenstadt-Betrieben könnte eine Vereinbarung getroffen werden, dass besonders von der Hitze belastete Personen wie Ältere, Schwangere, beeinträchtigte Menschen, Personen mit Kleinkindern sich bei Bedarf ohne Konsum kurz hinsetzen und ein Glas Wasser trinken können. Ein Aufkleber am Eingang könnte auf dieses Angebot aufmerksam machen.
– Dazu gehört auch die Förderung der Aktion Refill, bei der Geschäfte Menschen kostenlos das Auffüllen einer Wasserflasche ermöglichen.
– Zielgruppenspezifische Bewusstseinskampagnen zum Thema Schutz vor Hitze, z.B. in Kooperation mit Frauenärzt*innen und Kinderärzt*innen. Es ist Zeit zu handeln!

Die vorgenannten Maßnahmen sind nur Beispiele. Wir regen an, spezifisch für Düren geeignete Maßnahmen aufzustellen und diese zeitnah umzusetzen. Wir regen auch an, Betroffene, insbesondere den Seniorenrat und den Inklusionsrat in den Prozess zu involvieren.

Oben: Hitzeinsel Kaiserplatz (Foto Pierre A.J. Smeyers)
Unten: Einziger funktionierender Trinkwasserbrunnen am Wirteltorplatz